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Letzte Änderung: 22.06.2018
Gewöhnlicher Beifuß (Artemísia vulgáris)Zur Druckansicht
Alternative Bezeichnungen: Jungfernkraut, Besenkraut, Gänsekraut, Krähenfuß
Gattung: Artemísia
Familie: Compósitae (Korbblütengewächse)
Klimazone(n): Warmgemäßigtes Klima
Ursprüngl. Heimat: Europa, Nord-Amerika, Asien
Häufigkeit: Sehr häufig


Allgemeine Informationen

Herkunft und Wachstumsbedingungen:
Der Beifuß ist auf der gesamten Nordhalbkugel zu finden. Er wächst auf Ruderalflächen, an Wegrändern, an Ufern von Gewässern oder in Auen und bevorzugt mäßig feuchte, leicht nährstoffreiche, durchlässige Böden an sonnigen und halbschattigen Standorten.

Erscheinung:
Die aufrecht wachsende Pflanze besitzt einen längs gerillten, flaumig behaarten, zumeist rot-bräunlich überlaufenen, verzweigten Stängel. Die mehrköpfige, etwa fingerdicke Wurzel kann sich in bis zu 150 cm Tiefe befinden. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet, fiederteilig und tief eingeschnitten. Die Blätter im unteren Bereich der Pflanze sind gestielt. Nach oben hin werden die Blätter kleiner und sitzen zunehmend am Stängel. Die Blätter duften erfrischend.

Blüte:
Die körbchenförmigen Blüten befinden sich in rispigen Blütenständen. Die filzig behaarten Körbchen enthalten sehr schmale gelblich gefärbte, weibliche Röhrenblüten am Rand und in der Mitte mehrere zwittrige Röhrenblüten, die von fünfteiligen, rötlich-braunen Kronblättern umgeben sind. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch den Wind.

Vermehrung:
Nach der Befruchtung bilden sich dunkelbraun gefärbte, ellipsoide Achänen ohne Pappus. Die Samen gehören zu den Lichtkeimern und sind sehr langlebig. Eine Pflanze kann bis zu 500.000 Früchte pro Jahr hervorbringen. Vegetativ kann die Pflanze durch Wurzelteilung vermehrt werden.

Wissenswertes

Früher zählte der Beifuß zu den wichtigsten und heiligsten Heilpflanzen. In der traditionellen Heilkunde wird er als Räucherwerk verwendet. Aufgehängte Sträuße und Räuchermittel sollten Schutz vor Krankheiten und schädlichen magischen Einflüssen bieten.
Beifuß bildet sehr viele Pollen und kann zur Blütezeit Allergiebeschwerden auslösen.

Verwendung der Pflanze

Frische Blätter und geschlossene Blütenrispen sind essbar und schmecken leicht bitter. Mit fortschreitender Blüte wird der bittere Geschmack intensiver. Das Kraut kann gedünstet als Gewürz für fette, schwer verdauliche Gerichte oder als Beigabe für Salate, Suppen und Soßen verwendet werden.
Auch die aromatisch riechende Wurzel ist essbar und schmeckt süßlich-scharf.

Typ der Pflanze:Staude
Wuchsform:Aufrecht
Wuchshöhe:max. 180 cm
Eigenschaften:Essbar
 Tiefwurzler
 Heilpflanze

Licht-Verhältnisse:Sonnig, Halb-Schatten
Boden:Mäßig feucht
 Nährreich

Aussaat:Nov - Mär
Blüte:Jul - Okt
Blütenstand:Körbchen, Rispe
Geschlecht:Zwitter (Zwei-Geschlechtig)
Frucht-/ Samenzeit:    Okt - Nov
Fruchtform:Schließfrucht: Achäne

Blattform:Zusammengesetzt: Gefiedert
Blattrand:Gezähnt
Blattadern:Fiedernervig, Netznervig: Mehrere Hauptnerven mit Seiten-Nerven


Heilwirkungen der Pflanze:   
Stichwörter:
Durchblutungsstörungen, Hämorrhoiden, Magenbeschwerden, Bauchschmerzen, Druck- und Völlegefühl, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Darmbeschwerden, Durchfall, Blähungen, Nieren-Beschwerden, Nierensteine, Gallen-Beschwerden, Bauchspeicheldrüsen-Beschwerden, Furunkel, Haut-Pilz, Angst-Zustände, Depression, Nervosität, Erregungszustände, Erschöpfung, Schlafstörungen, Gelenk-Entzündung, Gelenk-Rheumatismus, Gicht, Rücken-Schmerzen, Ausfluss, Menstruations-Störungen, Verschlackung, Abwehrschwäche, Verkrampfung, Schmerzen, Wasseransammlung, Fuß-Schweiß, Nacht-Schweiß, Nerven-Schmerzen

Sowohl die oberirdischen Teile der Pflanze als auch die Wurzel besitzen Heilwirkungen. Aus dem Kraut kann ein Tee zubereitet werden, der antibakteriell, wärmend, stärkend, entkrampfend, zusammenziehend, entspannend, beruhigend, Wehen fördernd, reinigend, Harn und Schweiß treibend und durchblutungsfördernd wirkt. Er regt den Appetit an, fördert die Verdauung und stimuliert die Gallenproduktion und die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Außerdem hilft er bei Magen- und Darmbeschwerden (z.B. Völlegefühl, Blähungen, Durchfall, Übelkeit), bei Mundgeruch, Hämorrhoiden, Schlaflosigkeit, Nervenproblemen sowie bei Frauenleiden wie z.B. Menstruationsbeschwerden, Eierstockentzündungen und Ausfluss.
Die Wurzel wirkt bei Angst- und Schwächezuständen, Depressionen, Unruhe und Schlafstörungen.
Äußerlich angewendet kann Beifuß in Form von Umschlägen bei Furunkeln, Abszessen und Geschwüren helfen. Als Badezusatz oder Umschlag dient er zudem als Mittel gegen Rheuma, Gicht, Rückenschmerzen und allgemeine Gelenkbeschwerden.
Als Räuchermittel wirkt die Pflanze beruhigend und stärkt die Nerven.
Da Beifuß eine stark wirkende Heilpflanze ist, sollte er in Maßen und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Bei Schwangerschaft, Fieber oder Neigung zu schweren allergischen Reaktionen sollte Beifuß gemieden werden.

Anwendung
Verwendbare Pflanzenteile:
Wurzel, Blätter, Blüten

Für die Tee-Zubereitung wird das getrocknete Kraut mit kochendem Wasser übergossen. Die Mischung für etwa 3 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Der Tee schmeckt sehr bitter und sollte möglichst nicht länger als 6 Wochen dauerhaft (1-3 Tassen täglich) eingenommen werden.

Vitalstoffe


Sonstige Inhaltsstoffe
Ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe


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